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Vortrag

Prof. Dr. Alexander Bosse: Schillers Schädel – eine Spurensuche

Alles begann 21 Jahre nach Schillers Tod (9. Mai 1805). Am 13. März 1826 steigt Weimars Bürgermeister Carl Leberecht Schwabe in das „Landschafts-Cassen Leichengewölbe“ auf dem Jacobs-Friedhof. Er sucht die Nr. 52, das ist der Sarg mit Schillers Gebeinen. Da er scheitert, birgt er nach mehreren Grabungen 23 Schädel. Bürgermeister Schwabe erkennt in dem größten Schädel den Friedrich Schillers.
Der Schädel wird schließlich in der Großherzoglichen Bibliothek aufbewahrt, in einem dafür angefertigten, verschließbaren Behälter. Doch es entwickelte sich ein Gelehrtenstreit um die Echtheit des Schädels, der bis in die Jetzt-Zeit reicht. Denn zuletzt sollte eine DNA-Analyse klären, welcher Schädel der echte Schädel von Friedrich von Schiller ist.
In seinem Vortrag stellt Prof. Dr. Alexander Bosse, Pathologe und Telgter Neubürger, die interessanten Details des Streits um Schillers Schädel vor.
Los geht es um 19 Uhr.

Zum Hintergrund:
Schiller, geboren am 10.11.1759, gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker, Lyriker und Essayisten („Die Räuber“, „Kabale und Liebe“, „Wilhelm Tell“, „Das Lied von der Glocke“ etc.). Er starb am 09. Mai 180ß5 im Alter von 45 Jahren an einer akuten Lungenentzündung. Schillers Leichnam wurde zunächst im Kassengewölbe auf dem Jacobsfriedhof Weimar beigesetzt. 1826 sollten seine Gebeine geborgen werden. Allerdings war die klare Identifikation nicht mehr möglich. Darum brachte man diejenigen Gebeine, die am ehesten in Frage kamen, in die Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Im Herbst 1826 entlieh sich Goethe von dort heimlich den Schädel. Nur seinen Freund Wilhelm von Humboldt weihte er ein, der es jedoch weitererzählte. Im Anblick des Schädels schrieb Goethe das Gedicht „Bei Betrachtung von Schillers Schädel“. Die sterblichen Überreste wurden am 16. Dezember 1827 in die Fürstengruft auf dem neuen Weimarer Friedhof überführt, wo später auch Goethe auf eigenen Wunsch „an Schillers Seite“ bestattet wurde. 1911 wurde ein weiterer Schädel gefunden, der ebenfalls Schiller zugeschrieben wurde. Jahrelang stritt man, welcher der richtige sei.

Zum Referenten:
Herr Prof. Dr. med. Alexander Bosse wurde 1952 in Bramsche/ Niedersachsen geboren. Er studierte in Münster Medizin und wurde hier wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pathologie der Universität in Münster. Weitere Stationen waren die Ruhr-Universität in Bochum, wo er sich über ein osteologisches Thema habilitierte. Im Jahre 1997 folgte er dem Ruf auf eine ordentliche Professur an der RWTH Aachen mit eigenständiger Vertretung des Facharztgebietes Pathologie-Zytopathologie. Im Jahre 1998 wurde er Ärztlicher Direktor am Institut für Pathologie des Klinikums Stuttgart - Katharinenhospital. Das Institut ist verantwortlich für die pathologischen Leistungen der Häuser des Klinikum Stuttgart, daneben werden weitere Krankenhäuser der Region mit diagnostischen Leistungen versorgt. Es wird die gesamte morphologische Diagnostik bei Berücksichtigung sämtlicher innovativer diagnostischer Möglichkeiten der Pathologie durchgeführt. Dabei kommt der molekularen
Diagnostik (Molekulare Forensik, molekulare (Paleo-)Pathologie) mit einer akkreditierten Abteilung im Sinne einer Zentrumsfunktion für den Stuttgarter Raum eine wesentliche Bedeutung zu.
Seit kurzem wohnt er in Telgte.
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